Sammlung Jürgen Wittdorf

Arbeiten aus dem Nachlass des Malers und Grafikers Jürgen Wittdorf

Bild des Tages – 10. August 2022

Großes Stillleben, 1951, im Archiv

Der Wunsch, sich mit Zeichnungen auszudrücken, war Wittdorf wohl in die Wiege gelegt. Der Großvater war Professor an der Dresdner Kunstgewerbeschule und schnell wurde das Talent von Jürgen Wittdorf von den Eltern gefördert. Im Alter von 19 Jahren malte Jürgen Wittdorf dieses exzellente Stillleben mit farbiger Ölkreide. In dieser Zeit vervollständigte Jürgen Wittdorf seine Fähigkeiten an der privaten Zeichenschule bei Walter Schurig in Stollberg. Sehr wahrscheinlich hat sich Jürgen Wittdorf u.a. mit diesem Bild an der Hochschule beworben. 1952 begann sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Bild des Tages – 25. Juli 2022

Baubrigade“, Jan Linkersdorff im Archiv

Jürgen Wittdorf wäre heute 90 Jahre alt geworden. Er war mein Zeichenlehrer und lebte die letzten Jahre bis zu seinem Tod im Dezember 2018 in Berlin Friedrichshain. Heute verwalte ich seinen Nachlass und möchte dafür sorgen, dass sein Lebenswerk Beachtung findet und erhalten bleibt. An diesem Abend zeigt das KLICK Kino in Charlottenburg die Dokumentation „Unter Männern“ von 2012, in der Wittdorf über sein Leben spricht. Im September folgt die große Ausstellung im Schloss Biesdorf, die wir derzeit vorbereiten. Jan Linkersdorff

Bild des Tages – 5. Juli 2022

Noch kein Bartwuchs und schon Vater (Foto mit Jan in der Werkstatt)

Dieses Motiv ist ein echtes Zeitdokument. Es zeigt den modernen Familienvater mit Kind und Einkauf. In der noch jungen sozialistischen DDR, konnte es nicht nur die Aufgabe der Frau sein, sich um den Haushalt und die Erziehung zu kümmern. Denn Frauen waren sehr häufig auch berufstätig, ihre Arbeitskraft war für die DDR-Wirtschaft sehr wichtig, um die gesteckten Ziele bzw Pläne zu erfüllen. Zugleich war es auch ein großer Schritt für die Gleichberechtigung der Frau. Die Darstellung entsprach somit dem modernen Familienbild in der frühen DDR – im deutlichen Gegensatz zum Frauen- und Familienbild in Westdeutschland in jener Zeit.

Bild des Tages – 25. Juni 2022

Junger Pionier, 1951

Am Beginn seines Studiums zeichnet Jürgen Wittdorf in altmeisterlichem Realismus, so wie es an der Leipziger Hochschule Anfang der 50er-Jahre vermittelt wurde. Die Formalismus-Debatte über den Wert von abstrakter Kunst im Gegensatz zu realistischer Kunst war in der Politik der DDR voll im Gange. Bei der Zeichnung vom jungen Pionier kommt Wittdorfs Können als Zeichner deutlich zum Ausdruck, er beherrscht sein Fach perfekt. Wobei Wittdorf immer wieder zum Ausdruck brachte, dass ihm die Zeichenschule von Walter Schurig mehr beigebracht und inspiriert habe, als das Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Bild des Tages – 21. Juni 2022

Stillleben / Küchenbild „Hummer“ (in der Werkstatt)

Stillleben von höchster Qualität malt und zeichnet Jürgen Wittdorf bereits vor seinem Studium in Leipzig. Auf der Zeichenschule von Walter Schurig in Stolberg entstanden Anfang der 50er-Jahre beeindruckende Stillleben mit Gefäßen – gemalt mit Ölkreide. In seinem ganzen Leben, aber vor allem in der letzten starken Schaffensperiode Mitte der 80er- bis Anfang der 90er-Jahre, sind herausragende Stillleben als Aquarell entstanden. Darunter ist dieses „Küchenbild“ mit Hummer, natürlich entstanden nach der Wende. Es macht aber auch deutlich, dass Jürgen Wittdorf dem Genuss sehr zugetan war.

Bild des Tages – 14. Juni 2022

Frank

Bei diesem Porträt handelt es sich vermutlich um die persönlichste Zeichnung von Jürgen Wittdorf. Gezeichnet am 8. März 1982. In seiner Wohnung nahm das Bild einen zentralen Platz ein. Zu sehen ist Frank, ein Freund von Jürgen Wittdorf. Der schöne melancholische Blick muss Wittdorf schwer beeindruckt haben, aber sicher auch das Wesen dieses unberechenbaren Schönling. Frank hatte eine schwierige Kindheit und geriet auf die schiefe Bahn. Für Jürgen Wittdorf, der beinahe eine Vaterrolle übernommen hatte, war die Auseinandersetzung mit Frank sehr wahrscheinlich eine enorme Herausforderung und zugleich die größte Inspiration. Frank starb kurz nach der Wende.

Bild des Tages – 11. Juni 2022

Porträt einer Blondine, 1983

Jürgen Wittdorf liebte Details und ganz sicher hat es ihm gefallen, wenn junge Menschen mit der Mode gehen. In vielen Zeichnungen und Drucken, auch im „Zyklus für die Jugend“, sehen wir auffällige, textile Muster, Mützen und Hüte, Schleifen und raffinierte Schnitte in der Bekleidung der Jugendlichen, die der Künstler für uns festgehalten hat. In der vorliegenden farbigen Zeichnung hat Wittdorf dem Schmuck, dem Haarstyling und selbst dem MakeUp viel Beachtung geschenkt.

Bild des Tages – 15. Mai 2022

Das Wittdorf Archiv

Die Grundlage für das Jürgen Wittdorf Archiv bildete der Nachlass des Künstlers. Es handelt sich dabei um 250 Arbeiten des Künstler, die sich zum Zeitpunkt des Todes in seiner Wohnung befanden. Die gerahmten Zeichnungen und Druckgrafiken bedeckten die Wände der Wohnung von der Scheuerleiste bis unter die Decke. Es sind jene Arbeiten, von denen sich der Künstler Zeit seines Lebens nicht trennen wollte. So entstand der Titel für die erste Ausstellung – August 2020 im KVOST – bei der wir 80 Arbeiten zeigten: „Jürgen Wittdorf – Lieblinge“. Für die Ausstellung im Schloss Biesdorf ab 4. September 2022 wird viele weitere Arbeiten von Jürgen Wittdorf zeigen.

Hier gibt es den Katalog zur Ausstellung „Jürgen Wittdorf – Lieblinge“

Bild des Tages – 7. Mai 2022

Skizze für Keramikteller, 1983

Jürgen Wittdorf hat bereits in den 60er-Jahren Keramikteller mit leichten Engoben-Glasuren bemalt. Bis in die 80er-Jahre sind die Teller von Jürgen Wittdorf gefertigt worden und sie sind ein wichtiger Teil unserer Sammlung. Außerhalb der Sammlung sind keine Keramiken von Wittdorf bekannt. Die abgebildete Frau mit der Harke kam bereits ein paar Jahre zuvor mit einer Schaufel an einer Kohle-Lore in mehreren Zeichnungen vor. Offensichtlich war sie Wittdorf ans Herz gewachsen. 

Bild des Tages – 4. Mai 2022

Gruppe auf Rädern, Foto mit Jan in der Werkstatt

Das Blatt „Gruppe auf Rädern“ gehört zum Mappenwerk „Zyklus für die Jugend“. Zur Sammlung gehört auch der hier gezeigte Original-Holzschnitt (66cm x 92cm). Dieser wurde für die Mappe auf DIN A4 verkleinert. Eine typische Arbeit bei der die besonderen Fähigkeiten von Jürgen Wittdorf deutlich zu erkennen sind. Denn die Bearbeitung des Holzstocks, die Herstellung der Druckplatte, erfordert malerisches Talent, aber eben auch handwerkliches Geschick. Kein falscher Schnitt im Holzstock kann korrigiert werden.